Die baden-württembergischen Privattheatertage in Blaustein

/ via Südwest Presse /

Baden-Württemberg ist ein Land der privaten und damit der kleinen Theater. 46 davon gibt es, 33 werden von der öffentlichen Hand subventioniert. 14 davon machen jetzt beim zwölften Festival der baden-württembergischen Privattheater in Blaustein mit. Damit gastiert das Festival, das alle zwei Jahre veranstaltet wird, nach Städten wie Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg erstmals in einer Kleinstadt. Und das hat seinen Grund: Denn Blaustein hat auch ein privates Kleintheater, Wolfgang Schukrafts Theaterei, die heuer ihr 30-jähriges Bestehen feiert und im Blausteiner Ortsteil Herrlingen ein festes Haus und in Blaustein selbst ein Theaterzelt für knapp 200 Zuschauer bespielt – ganzjährig.

Foto: Gerhard Kolb

Der runde Geburtstag der Bühne ist den Blausteinern einiges wert. Denn das Land zahlt nur die Hälfte des 100 000-Euro-Festivaletats: 25 000 Euro kommen von der Stadt Blaustein, 7500 Euro vom Oberschwäbischen Elektrizitätswerk, 7500 Euro vom Alb-Donau-Kreis, weitere 10 000 Euro von privaten Spendern.

Gespielt wird in Blaustein bis zum 27. November nicht nur in den Theaterei-Spielstätten, sondern auch im Chemiesaal der
Realschule, im Feuerwehrhaus und in der Blautalhalle. Dort zeigten etwa die Reutlinger „Tonne“ Otfried Preußlers „Krabat“ und das Offenburger Baal Novo Theater Eurodistrict ihre Saint-Exupéry-Fortschreibung „Petit Prinz“ – vor jeweils gerade mal 40 Zuschauern. „Das liegt wahrscheinlich an der nicht gerade attraktiven Blautalhalle“, meint eine Besucherin.

Schade, denn mit „Petit Prinz“ bringen Jean-Michel Räber und Felix Grüning ein lebendiges Stück auf die Bühne. Obwohl die Bühne eigentlich gar keine ist, sondern lediglich der Platz, um den die Zuschauer im Kreis sitzen. Regale mit Akten und Kisten sind die einzigen Requisiten.

Erzählt wird von einem Kind, das im Zweiten Weltkrieg aufgewachsen ist. 70 Jahre nach Kriegsende begegnen sich das Kind (Petit Prinz) und der alte Mann (Pierre), zu dem es nun geworden ist, in einem Archiv. Dort sucht Pierre das Jahr 1944, um etwas über seine Geschichte zu erfahren. Motive aus dem Originalwerk von Antoine de Saint-Expupéry werden mit der Welt verknüpft, in der ein kleiner Junge während des Krieges fliehen musste. Das Stück richtet sich eigentlich an Kinder ab zehn Jahren. Bei der Aufführung in der Blautalhalle erleben die Darsteller aber eine Premiere, denn „es ist das erste Mal, dass es eine reine Erwachsenenvorstellung ist“, sagt Räber.

Ganz anders das Theater Lindenhof aus Melchingen, mit dem Theaterei-Prinzipal Wolfgang Schukraft etwas für die Lachmuskeln ins Theaterei-Zelt geholt hat. Knapp 180 Besucher lassen sich in diesem bestens eingeführten Spielort von Berthold Biesinger als Bauer Karl Hofreiter in „Der Feierabendbauer“ die Lachmuskeln stimulieren. Im urigen schwäbischen Dialekt lamentiert er zur Quetschenmusik des russischen Vagabunden Wladimir – über die bodenlose Bürokratie und die Krise der Landwirtschaft. Bei Schnaps, Wurst und Espresso fragt er sich: „Wo isch Heimat?“

Weniger amüsant ist dagegen die finanzielle Lage der privaten Theater. Bei gerade einmal 30 000 Euro liegt die geringste öffentliche Bezuschussung einer Bühne, bei rund 700 000 die höchste. Das Problem: Der Landeszuschusss hängt von der Höhe der städtischen Förderung ab. „Schwierig ist das vor allem im ländlichen Raum“, sagt Edzard Schoppmann, der Intendant des Offenburger Baal Novo Theaters. Kinder- und Jugendtheater werden höher bezuschusst, um schon die Kleinen fürs Schauspiel zu begeistern. Die Zuschüsse für städtische Theater starten hingegen bei einer Million Euro. „Obwohl viele Privattheater rund 60 Prozent der Kosten einspielen, Stadttheater oft nur zwischen 10 und 20 Prozent“, erklärt Schoppmann. Auch nicht gerade rosig sind die Aussichten für die Theatermacher: Weil sie ihr Leben lang nicht nach Tarif bezahlt werden, rutschen viele im Alter in Hartz IV ab.

Das Ohr beim Publikum

Was tun? „Heute sind die Anforderungen andere geworden“, weiß Festival-Gastgeber Wolfgang Schukraft. Die Leute seien weniger experimentierfreudig und schauten sich vermehrt Stücke an, die sie schon kennen. Doch welche Stücke beim Publikum letztlich gut ankommen, könne man nie genau sagen. So sei die morgige Theaterei-Inszenierung  „Leg mich zu Füßen Eurer Majestät, Guten Morgen“ ausverkauft. Und das ist eben kein bekanntes Stück, sondern die Bühnenfassung eines relativ unbekannten Buches. Schukrafts Tipp: Ein Privattheater müsse besonders lebendig sein und „sein Ohr beim Publikum haben“. Nur so könne man Theater machen, das die Leute gerne sehen.

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