Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein – ein Märchen der Gebrüder Grimm

12239739_1051218074922802_5043715182737023383_nMärchenensemble Stuttgart

ein Märchen der Gebrüder Grimm in eurythmische Gestaltung (Leitung: Michael Leber)

„Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein“ sind im gleichnamigen Märchen drei Schwestern. Da Zweiäuglein aber gleich wie alle gemeinen Menschen aussah konnten es die Mutter und die beiden Schwestern nicht leiden, behandelten es schlecht und gaben ihm nur zu essen was übrig blieb. Als Zweiäuglein die Ziege auf dem Feld hüten sollte und vor Kummer weinte stand eine weise Frau neben ihr, die ihr half, indem sie ihr verriet, dass sich ein Tischlein mit den besten Speisen decken würde, wenn sie zu der Ziege spräche: „Zicklein meck, Tischlein deck`“. Wenn Zweiäuglein satt wäre müsse sie nur sagen: „Zicklein Meck, Tischlein weg“ und der gedeckte Tisch wäre wieder verschwunden. Als die Schwestern merkten, dass Zweiäuglein das ihr gereichte Essen nicht anrührte wollten sie herausfinden, welche wunderlichen Dinge auf der Weide vor sich gingen. Durch eine List wurde ihr Geheimnis gelüftet, woraufhin die Mutter die Ziege schlachten ließ. Zum Glück aber konnte die weise Frau wieder Hilfe geben und über Nacht wuchs vor ihrem Haus ein Baum, der silberne Blätter und goldene Früchte trug, welche zu ernten aber nur Zweiäuglein imstande war. Da die Mutter und die Schwestern neidisch wurden gingen sie nun noch härter mit ihm um. Schließlich kam ein Ritter des Weges und wollte der, dir ihm einen Zweig des Baumes abbrechen könne jeden Wunsch erfüllen. Als Zweiäuglein ihm einen Zweig geben konnte, durfte sie mit ihm auf das Schloss seines Vaters ziehen und lebte dort lange Zeit vergnügt. Als die Schwestern eines Tages verarmt auftauchten hieß Zweiäuglein beide Willkommen und tat ihnen Gutes.

In diesem Märchen der Gebrüder Grimm kann aufleuchten, wie die Menschheit immer mehr das alte hellsichtige Bewusstsein verlieren musste, damit nun jeder Mensch als Individualität ein neues Bewusstsein, aus seinem Ich heraus selbst erringen kann. Die Mutter und die Schwestern im Märchen tragen noch das alte Bewusstsein in sich. Friedel Lenz schreibt hierzu in ihrem Buch „Die Bildsprache der Märchen“: „Alte vergangene […] Fähigkeiten können auch im Einzelmenschen noch vorhanden sein, sie können sogar überwiegen und der in der Entwicklung voranschreitenden Seele Schwierigkeiten bereiten. Vergangenes und Zukünftiges liegen im Widerstreit.“ (Friedel Lenz) Über das neu zu erringende Bewusstsein schreibt Lenz im Bezug auf das Märchen: „Die Ziege auf die Weide führen, heißt: seine natürliche Wißbegierde gebrauchen, also die Sinneswelt in sich aufnehmen. Nun führt zwar Zweiäuglein die Ziege auf die Weide, aber es hungert trotzdem, denn noch ernährt es sich von dem, was Mutter und Schwestern übrig gelassen haben, von den kümmerlichen Resten alten Wissens. Davon aber kann die moderne Seele sich nicht ernähren, und Neues hat sie noch nicht. Sie erahnt: Ich darf mich nicht zufriedengeben mit den kärglichen Resten der Vergangenheit, die mich nicht mehr ernähren; ich muss selber tätig sein und mir frische Geistesnahrung verschaffen. Das muss mit Hilfe jenes weltaufgeschlossenen Triebes geschehen, der Wißbegierde heißt. Ich muss die Neugierde dazu bringen, dass sie spricht, dass sie aussagt und belehrt.“ (Friedel Lenz) Auf diesem Wege wird Zweiäuglein die Hilfe der weisen Frau zuteil, die dann erscheint, wenn ihre Not am größten ist. So kann in einem jeden von uns die Hoffnung entstehen, dass wenn sich der Mensch dem Göttlich-Geistigen öffnet, ihm aus diesem Bereich Hilfe entgegenkommen kann.
Auch in diesem Jahr kann wieder ein Märchen in eurythmischer Darstellung erlebt werden, welches für jung und alt zur Seelen-Nahrung werden kann.
12.06.   und 10.07. 2016

Karten unter:Telefon: 07 11 / 2 36 42 30 | Fax: 2 36 43 35 | info@eurythmeumstuttgart.de

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